Da kriegt man ja Augenkrebs!

Seit ich als Makeup Artist in der Beautybranche tätig bin mit meinen Schminkkursen, Tages- und Abendmakeups, hier ein Shooting, da ein TFP und der permanenten Präsenz auf den sozialen Netzwerken, neige ich dazu, mich mit nichts anderem zu beschäftigen als Beauty. Ein Leben ohne? Fast undenkbar!

 

Ich habe bestimmt mehr als 300 Cremetiegelchen, Schönheitswässerchen, Lippenstifte und Lidschatten bei mir zu Hause herumfliegen.

Alles für die Schönheit!

Wimpernzange, Mascara und Lipgloss: Das sind also die Werkzeuge, die ein schönes Gesicht schmieden.

 

Zum Thema Schönheit ist mir gestern blitzartig eine Geschichte aus meiner Schulzeit eingefallen.

In der 11. Klasse gab es ein Mädchen, das nicht besonders beliebt war. Sie litt unter starker Akne, hatte fettiges Haar und zudem hatte sie leider einen schlechten Körpergeruch.

Dieses Mädchen, welches einen sehr schüchternen aber freundlichen Eindruck machte, wurde aufgrund ihrer Eigenschaften von Mitschülern auf extrem verletzende Weise gemobbt. Sie wurde zur Zielscheibe für einige Schüler, die sich für etwas Besseres hielten. Gemeine Spitznamen gaben sie ihr und lachten über sie, wenn sie den Schulflur entlang ging. Besonders lange war sie auch nicht an unserer Schule.

 

An einem langen Schultag haben einige Schüler in der Cafeteria Hausaufgaben gemacht und die unbeliebte Mitschülerin lief vorbei. Ein recht hübsches Mädchen aus unserer Klassenstufe hat einer Mitschülerin zugezischt: „Die ist so ekelhaft, oder? Wäääh, da ist er ja, der Streuselkuchen! Widerlich! Da kriegt man ja Augenkrebs!“ Sie sah ihr nach mit gerümpfter Nase und grunzte verächtlich.

Die Mitschülerin lies ihren Kugelschreiber aufs Papier fallen. Sie konnte nicht fassen, was sie da gerade gehört hatte.

Wie aus der Pistole geschossen erwiderte sie:

„Hör' auf damit! Hast du vielleicht eine Ahnung, wie sie sich dabei fühlt, wenn Leute so über sie reden? Deine Aussage sagt mehr über dich aus, als über sie!“ Sie wurde richtig laut, alle anderen schwiegen und schauten nur mit großen Augen zu.

Daraufhin folgte keine Entschuldigung, nur ein hochroter Kopf und verlegenes Gestammel von Seiten der Mobberin.

Die Kriegerin stand auf und ging.

Eine beeindruckende Szene.

 

Sollten wir nicht viel öfter aufstehen? Für jemanden, der es selbst nicht kann? Aufstehen für einen herzlicheren, respektvolleren Umgang in einer Welt, die sowieso großteils von Äußerlichkeiten gesteuert wird? Wenn man heutzutage nicht in ein bestimmtes Raster eines unrealistischen Idealbildes passt, gilt man als zu hässlich, zu dick, zu dumm, zu faul, zu schlecht.

 

Ich träume von einer Gesellschaft, in der wir andere Menschen akzeptieren, wie sie sind. Wir sollten nicht zulassen, dass verbitterte Menschen ihre Unsicherheiten an Wehrlosen auslassen, nur damit sie sich selbst besser fühlen.

Das, meine Freunde, ist pure Hässlichkeit vom Feinsten.

 

An manchen Tagen schaue ich meine 300 Cremetiegelchen, Schönheitswässerchen, Lippenstifte und Lidschatten an und stelle fest:

Mitgefühl, Nächstenliebe und Mut: Das sind die Werkzeuge, die ein schönes Herz schmieden.

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